Die Lindenberger Freitaste - Notizen über den Eisenbahnerhorizont hinaus
 

LF1 - Die Dampflok 051 332-5

Sie war das eintausenddreihundertzweiunddreißigste von nicht weniger als dreitausendeinhundertvierundsechzig Exemplaren der weithin bekannten Dampflokbaureihe 50, die in den Jahren 1939 – 1943 im Auftrag der damaligen Deutschen Reichsbahn Gesellschaft (DRG) in den Fabrikhallen nahezu aller mitteleuropäischen Lokomotivhersteller gebaut wurde. Nach dem 2. Weltkrieg bildete diese Baureihe in Deutschland eine der wichtigten Stützen des nach und nach wieder  anlaufenden Eisenbahnbetriebes, wobei weit mehr als die Hälfte des Bestandes, nämlich über 2000 Lokomotiven, in den westlichen Besatzungszonen verblieben und somit der 1949 gegründeten Deutschen Bundesbahn zugeordnet wurden. Zu diesen Maschinen zähle auch die 50 1332, die ich 1971 als junger Eisenbahnfreund unter ihrer seinerzeit gültigen EDV-Nummer 051 332-5 kennenlernte. In meinen Notizbüchern taucht die Lokomotive erstmals leserlich am 2. August 1971 auf, an dem ich nachmittags dem Bw Braunschweig einen Besuch abstattete, wo die 051 332-5 neben 26 Schwesterlokomotiven sowie sieben Loks der Baureihe 044 auf ihren nächsten Einsatz wartete.

Die 051 332-5 dürfte lange, vielleicht sogar ihr gesamtes Lokomotivdasein in der Bundesbahndirektion Hannover zugebracht haben. Ich bin zwar kein Stationierungsexperte und verfüge auch nicht über die diesbezüglichen Nachschlagewerke, die äußeren Merkmale dieser Lok geben aber Anlass zu der Vermutung. Aus fremden, meist westlichen oder südlichen Direktionsbezirken zugezogene 50er zeichneten sich gerne durch tiefhängende Lokschilder an der Rauchkammertür, einem großen Sanddom mit eckiger Blechverkleidung, Vollscheiben anstatt Speichenrädern an der Vorlaufachse oder so genannte Tonnendächer aus. Nichts von dem bei der 051 332-5. Die besaß die regionaltypische und weit verbreitete Erscheinungsform mit Kabinentender und drei Domen auf dem Kesselscheitel, von denen der Dampfdom mittig zwischen den beiden „runden“ Sanddomen angeordnet war. Es gab keinerlei optische Auffälligkeiten an dieser Lok, und deswegen erkannte man sie erst, beziehungsweise „nur“ an ihrer Loknummer.

Als ich die 051 332-5 am 14. November 1974 um 08:45 Uhr in Osterode/Harz aus meinem Klassenzimmer heraus mit großer Kraftanstrengung vor dem Nahgüterzug 64163 vorbeifahren sah, konnte ich nicht ahnen, dass es für mich die Abschiedsvorstellung dieser liebgewordenen Lokomotive sein sollte. Bereits im Dezember 1974 verfügte die BD Hannover ihre Ausmusterung. In den Jahren 1971 bis 1974 ist mir die beim Bw Lehrte beheimatete 051 332-5 recht häufig begegnet. Unvergesslich bleibt der 5. September 1974, als sie eine ausgefallene 44er vor dem schweren Dg 54312 von Kreiensen nach Braunschweig Rbf zu ersetzen hatte. Da bebte die Erde an der Blockstelle Orxhausen! Einige Male war es mir auch vergönnt, die Maschine von ihrem Führerstand aus zu erleben, unter anderem vor dem aus 20-30 Fad-Wagen gebildeten Ng 16947 von Salzgitter-Vosspass nach Herzberg (Harz).

Man mag darüber philosophieren, ob drei Jahre viel oder wenig sind. Der in Rede stehende Zeitraum umfasste aber mein dreizehntes bis sechzehntes Lebensjahr. Und sich knapp vierzig Jahre später noch so lebhaft an eine von mehreren hundert damals im Einsatz befindlichen Lokomotiven der Baureihe 50 erinnern zu können, verdient meines Erachtens schon die würdige Bewahrung. Diese Erinnerungen sind mein kleines Denkmal für die 051 332-5…