Die Lindenberger Freitaste - Notizen über den Eisenbahnerhorizont hinaus
 

Von Berufs wegen

LF3 - Berlin!

Selten schlug mein Lokomotivführerherz so hoch bis in die Halsschlagader, wie an jenem Sonntagabend im Februar 1991. Ich fuhr seinerzeit im „OZL-Plan“ des Bw Hamburg 1, wobei „OZL“ als Abkürzung für „Oberzugleitung“, im Lokführerjargon „Ozzel“ ausgesprochen, steht. Der Dienstplan enthielt ausschließlich Bereitschaftsdienste, bei denen nicht die örtliche Lokleitung, sondern einzig der „Lokdienst“ auf der Oberzugleitung weisungsbefugt war. Die Dienstbeginne waren jeweils zu bestimmten vollen Stunden angesetzt, man hatte also „Fünf-Uhr-Ozzel“, „Dreizehn-Uhr-Ozzel“, oder meinetwegen „Einundzwanzig-Uhr-Ozzel“. Im Winterfahrplan 91/92 gab es sonntags sogar eine „Neunzehn-Uhr-Ozzel“, und zu der war ich am 10. Februar 1991 eingeteilt. ....mehr

LF2 - Des Lokführers Bibel

Des Lokomotivführers Bibel ist sein Regelwerk. Im Alten Testament fand er darin noch allerhand Dienstvorschriften im Neuen Testament dafür allerhand Richtlinien. Seit der Bahnreformation gilt nur noch das Neue Testament. Des Lokomotivführers Handwerkszeug bildeten früher Regler, Steuerung und Dampfpfeife, heutzutage sind es Fahrschalter, Bremssteller, Hard- und Softkeys sowie das Typhon. Aber des Lokomotivführers Wegweiser waren und sind, sofern er nicht auf Schnellfahrstrecken durch ein in der Gleismitte verlegtes Sende- und Empfangskabel geleitet wird, die Signale. ...mehr

LF1 - Der Lokführerberuf

Über den Lokführerberuf ist schon viel geredet und geschrieben worden. Der Feder und des Mundwerks bedienten sich dabei sowohl Lok- als auch Nichtlokführer. Neben persönlichen Erlebnisschilderungen, sozialwissenschaftlichen Expertisen, arbeitsrechtlichen Studien und bahnpsychologischen Analysen, deren geistiger Nährwert hier gar nicht in Frage gestellt werden soll, gab und gibt es dann und wann zu offenbar gegebenen Anlässen auch schon einmal den einen und anderen eher unqualifizierten Kommentar. Die Mann-Agerin Margot Pedale (Name geändert, die Red.) posaunte zum Beispiel vor geraumer Zeit öffentlich hinaus, die Anforderungen an unsere Lokführerinnen und Lokführer seien heutzutage im Gegensatz zur Dampflokzeit vergleichsweise gering und verdienten demzufolge keine besondere tarifvertragliche Würdigung. Sie glaubte es wissen zu müssen, nachdem sie hier und da schon einmal ein Stündchen in klimatisierten Führerräumen zugebracht und dabei dieser und jener (womöglich zuvor sorgfältig auserwählten) Fachkraft über die Lokführerschulter geschaut hatte. ...mehr